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Der vergessene Brief - Dies ist eine wahre Geschichte!

Sommer 2007, im August

Ich ziehe um, in mein eigenes Haus mit Garten. Freunde helfen. Das übliche Chaos, überall Kartons, im Keller meterhoch ein Sammelsurium der letzten 20 Jahre. Dinge, die man nicht braucht, die man nicht vermißt, die man nicht wegwerfen kann, obwohl der Müllcontainer schon vor dem Haus steht. Eine alte Schachtel zieht meine Aufmerksamkeit auf sich. Ein paar alte Fotos, Spielkarten, ein paar Ansichtskarten. Nichts Interessantes. Die Schachtel kann in den Container. Ein letzter Blick fällt auf einen ziemlich zerknüllten, auf beiden Seiten eng beschriebenen Zettel. Ist das meine Handschrift? Ich nehme den Zettel und beginne zu lesen. Gar nicht so einfach, sehr klein geschrieben, teilweise verwischt und zerknittert - und was für eine unleserliche Handschrift.

 

Ich brauche fast eine halbe Seite, bis ich merke, dass das Geschriebene von mir stammt. Und von einen Moment auf den anderen, weiß ich, was dort noch geschrieben steht. Es ist, wie wenn jemand im Dunkeln das Licht anknipst. Oder für mich: ein Zeitsprung, 25 Jahre zurück. Ich setze mich auf den Boden, vergesse den Umzugsstreß und lese das, was ich als Jugendlicher geschrieben habe. Was mich beschäftigt hat, und was ich mir für die Zukunft gewünscht habe.

Wie schnell die Zeit vergeht. Wieviel man vergißt. Was einmal die Welt bedeutete ist heute nicht einmal mehr Erinnerung.

 

Sommer 1982, kurz vor meinem 19. Geburtstag

Ich war Auszubildender in einer Druckerei und stand kurz vor der Abschlußprüfung. Vor ein paar Wochen hatte ich meine erste eigene Wohnung bezogen - ein kleines Apartement im Westen der Stadt. Von meinen Ersparnissen hatte ich mir ein Motorrad gekauft. Ich war jung, voller Tatendrang, alles lief bestens.

Dann kam der Tag, an dem mich meine Freundin ohne Vorwarnung verließ. Meine kleine heile Welt brach zusammen. Plötzlich schien alles keinen Sinn mehr zu haben. Nichts machte mehr Spaß. Mir war alles egal, ich fühlte mich einsam und war sehr unglücklich.

Ich begann zu lesen. Ein Buch nach dem anderen. Romane, wissenschaftliche Bücher, Biografien,  ... quer durch die Bücherei. Eines Tages machte ich mir handschriftliche Notizen, weil ich etwas gelesen hatte, das ich nicht vergessen wollte. Etwas, das mir Kraft gab, das mich motivierte und mir zeigte, dass alles im Leben einen Sinn hat.

Zu den Notizen kamen immer wieder neue hinzu. Ein Gedanke jagte den anderen. Daraus wurde ein Brief. Ein langer Brief an mich. In diesem Brief habe ich aufgeschrieben, was ich mir für mich wünsche, was ich erreichen möchte. was ich haben will, wenn ich einmal "alt" bin. Der Brief war nur für mich, deshalb konnte ich schreiben was ich dachte, auch wenn meine Wünsche zu der Zeit für mich völlig unrealistisch waren. Aber Papier ist bekanntlich geduldig.

Da waren Wünsche wie: ein schönes großes Auto, selbstständig machen, ein eigenes Unternehmen führen, ein kleines Haus mit Garten, viel in Urlaub fahren, eine tolle Freundin, mit dem eigenen Boot am Meer rumschippern. Und so weiter. Zugegeben alles sehr materialistisch, aber aus der Sicht eines 19jährigen sicher verständlich.

Der Brief wurde noch ein paar Mal umgeschrieben, bis mir nichts mehr dazu einfiel. Diesen Brief trug ich damals immer bei mir, wenn ich Zeit hatte, habe ich ihn immer wieder gelesen und bald konnte ich den gesamten Brief auswändig aufsagen.

 

Heute, Herbst 2010

Ich habe diese, meine wahre Geschichte in Kurzform niedergeschrieben, weil ich mir wünsche, dass möglichst viele Menschen eine ähnliche Erfahrung wie ich machen. Es ist etwas unbeschreiblich Faszinierendes, wenn man einen Brief aus der Vergangenheit erhält.

Rate mal, wieviel von den oben aufgeführten Wünschen eines 19jährigen unerfüllt blieben. Rückwirkend betrachtet haben sich alle meine Wünsche und Vorstellungen erfüllt.

Zufall? Selbsterfüllende Prophezeihung? Macht der Gedanken? Ich weiß es nicht und es spielt für mich auch keine Rolle. Wenn ich an diesen Brief denke, fallen mir immer wieder Momente und Erlebnisse aus dieser Zeit ein, alleine das ist mir Belohnung genug.

Der Brief allerdings ging beim Umzug dann doch noch verloren - wohl für immer. Aber die Erinnerung daran ist hier niedergeschrieben

 

Die Idee von LetterMe ist geboren und wird gerade realisiert.

Ich bin mit dabei, denn ich bin von dieser Idee begeistert und überzeugt!

 

 

Jürgen J. Fischer

 

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